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ONLINE - 03. November 2005, 08:40
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Suse 10
Linux leicht gemacht
Linux, einst als Betriebssystem für Freaks und Experten verschrien,
entwickelt sich mit Siebenmeilenstiefeln weiter. Die neueste Version unter dem
Suse-Label verspricht das einfachste Linux aller Zeiten. Der Clou daran: Es
installiert sich als Alternative zu Windows.
Ein halbes Jahr nach der letzten Suse unter dem Firmendach von Novell ist
jetzt das erste Linux-Paket in der Verantwortung des freien Software-Projekts
openSUSE.org erschienen. Dieses wird zwar weiter von Novell unterstützt,
arbeitet aber unabhängig von dem amerikanischen Software-Haus, das die
Nürnberger Firma Suse vor knapp zwei Jahren übernommen hatte und sich nun unter
anderem auf Linux-Lösungen für Unternehmen konzentriert.
Zur Premiere gibt es gleich einen großen Sprung von der Version 9.3 auf 10.0 -
eigentlich ungewöhnlich in der sonst auf kleine Schritte bedachten
OpenSource-Community. Der neue Auftritt ist aber an vielen Ecken des Pakets zu
spüren, mit dem die Suse zu den Wurzeln des freien Betriebssystems zurückkehrt.
Statt der Vielzahl von unterschiedlichen Ausgaben zwischen "Personal" und
"Professional" gibt es jetzt nur noch eine einzige Version - wahlweise als
kostenloser Download mit einem Umfang von etwa drei Gigabyte oder als Paket
zusammen mit einer DVD, fünf CDs und Handbuch zum Preis von rund 60 Euro.
Die Installation ist eigentlich kein Thema mehr. Bei der Hardware-Erkennung gibt
es nur in Einzelfällen Probleme, die man manuell lösen muss. Wenn Linux als
Zweitsystem neben Windows installiert werden soll, wird dem Anwender einfach
angeboten, die Windows-Partition zu verkleinern, damit sich das Suse-Linux
daneben einrichten kann. Im Ergebnis wird dann ein "Bootloader" installiert, der
dem Nutzer nach dem Einschalten des Computers vor die Wahl stellt, entweder
Windows oder Linux zu starten.
Auch die Bedienung der Linux-Oberfläche stellt kaum jemand vor Probleme. Der
KDE-Desktop, inzwischen in der Version 3.4.2 angelangt, ist so eingängig und auf
Anhieb zu verstehen, dass manche eingefleischten Linux-Freaks schon schimpfen,
dass Linux immer Windows-ähnlicher werde. Als Hintergrundbild hockt nach der
Installation ein dickes grünes Chamäleon, das Suse-Symboltier, in der Ecke.
Die Entscheidung für Linux unterstützt die Suse 10.0 mit einer Reihe von guten
Gründen. Dazu gehört für DSL-Nutzer jetzt auch die Internet-Telefonie (Voice
over IP) dazu. Bei der Standardinstallation mit einer gängigen Auswahl aus
insgesamt mehr als 1.000 verschiedenen Programmen wird das Werkzeug kphone
gleich mit eingerichtet. Es bietet die Herstellung von Telefonverbindungen über
den verbreiteten SIP-Standard (Session Initiation Protocol) an. Zusätzlich kann
man aber auch KCall installieren, das praktischerweise das KDE-Adressbuch
verwendet - so muss man die Daten für die persönlichen Kontakte nur einmal
eintragen. Wer statt KDE den Gnome-Desktop bevorzugt, telefoniert mit dem
Programm linphone.
Akregator sammelt Nachrichten aus dem Internet
Die RSS-Technik für das Abonnement aktueller Internet-Dienste wird im nächsten
Jahr in Windows Vista integriert. Bei Linux ist ein solcher RSS-Reader bereits
jetzt fester Bestandteil des freien Betriebssystems: Der Nachrichtensammler
Akregator gehört in der bereits recht ausgereiften Version 1.1.2 zum
Linux-Desktop KDE dazu.
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Wenn eine Web-Site einen RSS-Feed anbietet, also eine Übersicht ihrer
aktuellsten Beiträge, kann man im Firefox-Browser auf den entsprechenden Button
rechts unten klicken. Daraufhin erscheint die Option, diesen RSS-Feed dem
Akregator hinzuzufügen. Der Nachrichtensammler nimmt diese Liste dann in sein
Verzeichnis auf. Dort können alle Nachrichtenquellen in thematisch geordnete
Verzeichnisse einsortiert werden. Für jede Quelle wird bestimmt, wie oft die
Software im Internet nach einer Aktualisierung der Liste gesucht werden soll.
Einzelne Artikel können besonders markiert werden, so dass sie über längere Zeit
aufbewahrt werden.
Mit der Zeit entsteht auf diese Weise eine übersichtliche Zentrale für alle als
wichtig und interessant eingeschätzten Informationsportale im Internet mit ihren
jeweils neuesten Nachrichten. Unten rechts wird am Bildschirm stets angezeigt,
wie viele ungeöffnete Nachrichten bereit stehen.
Podcasting mit amaroK
Neben dem Firefox dient auch der Konqueror als Browser. Außerdem kann man sich
auch noch Opera 8 installieren - mit der Unterstützung für die
Filesharing-Technik BitTorrent, die vor allem zur Übertragung großer Datenmengen
geeignet ist. Opera ist allerdings nur im Suse-Paket enthalten; die
Download-Version enthält ausschließlich Open-Source-Software.
Für Dokumente aller Art steht OpenOffice 2.0 in der aktuellsten Beta-Version
bereit, das auch die Formate von Microsoft Office kennt. Für das Erstellen von
Web-Seiten steht standardmäßig OpenOffice.org Writer/Web bereit. Allerdings
lässt hier die CSS-Unterstützung zu wünschen übrig, so dass man sich zusätzlich
den Web-Editor nvu installieren sollte. Neben OpenOffice wird auch das KOffice
des KDE-Projekts weiterentwickelt; unter der Bezeichnung krita gibt es hier
jetzt auch eine eigene Bildbearbeitung.
Gut entwickelt hat sich amaroK, eine sehr flexible Musikbox-Software, mit der
man Musikdateien verwalten, sortieren und abspielen kann. Die Version 1.3
unterstützt auch Podcasts und Internet-Radio-Streams.
Der Suse 10.0 liegt der Kernel (Betriebssystemkern) 2.6.13 zu Grunde. Über ein
Online-Update können alle installierten Software-Pakete stets auf dem neuesten
Stand gehalten werden. Voraussichtlich im März 2006 soll das nächste Suse-Linux
erscheinen, dann wieder mit einem kleinen Versionssprung auf 10.1. In der
Zwischenzeit sind alle Suse-Linux-Nutzer - weltweit wohl einige Millionen - dazu
aufgerufen, sich mit ihren jeweiligen Fähigkeiten an dem Projekt zu beteiligen.
Peter Zschunke, APZum Thema: