Online-Dating
Online-Partner-Services sind außerordentlich beliebt, leiden zudem nicht unter dem muffigen Image, das Partnervermittlungen anhängt. Sie arbeiteten aber mit ähnlichen Tricks, behauptet ein Kläger in Kalifornien: Er brachte mit Match.com einen Branchenriesen vor Gericht.
Das Unternehmen genießt einen guten Ruf: Mit Dependancen in 32 Ländern, Webseiten in 18 Sprachen, 15 Millionen Mitgliedern in den USA und einer Million in Deutschland ist Match.com laut Eigenwerbung "in Europa und weltweit die Nummer eins im Online-Dating". Im Vergleichstest der Stiftung Warentest wurde Match erst im Oktober Sieger.
Wie alle Online-Partnerbörsen präsentiert sich Match jung und unkompliziert,
verweist auf seinen "einfachen, sicheren und qualitativ hochwertigen Service,
neue Menschen kennen zu lernen". Es ist auch solchen
Online-Partnervermittlungen, die sich selbst lieber "Dating-Services" nennen,
geschuldet, dass die einst als letzter Strohhalm für Mauerblümchen und
Einsiedler verpönte Branche in den letzten zehn Jahren eine ganz erhebliche
Image-Aufwertung erfahren hat.
Denn vermittelte Kontakte sind für die jüngeren Generationen wieder etwas völlig
Normales: Geflirtet wird nicht nur Auge in Auge, sondern oft und gern vorab
schon per SMS, Messenger oder E-Mail. Auch jemanden zunächst "elektronisch"
kennen zu lernen ist Alltag.
Gute Zeiten für Partnerbörsen, die wie eh und je versprechen, zu jedem Topf den
passenden Deckel zu suchen. Dabei finden sie tatsächlich viele
(Match-Eigenwerbung: "Wir haben weltweit doppelt so viele Hochzeiten angeregt
wie andere Websites"), mitunter aber dauert so etwas auch seine Zeit.
Und das ist auch gut so, zumindest betriebswirtschaftlich gesehen, denn
anderenfalls würden Partnerbörsen auch kein Geschäft machen: Sie bringen
potentielle Partner gegen Zahlung zusammen; dabei konkurrieren zwei Modelle.
Entweder der Suchende bezahlt pauschal für eine definierte Zahl von
Kontaktversuchen, oder er bezahlt in regelmäßigen Abständen für seine
"Mitgliedschaft" im Dateibestand. Schnell erfolgreich fündige Kunden sind für
die Börsen von erheblichem werblichen Wert, aber nur erfolglose Kunden bringen
wirklich Umsatz.
Bezahlte Köder
Von jeher haben darum die schwarzen Schafe der Branche kriminelle Energie
entwickelt, ihre Kundschaft möglichst lang zufrieden aber erfolglos bei der
Stange zu halten. Das Rezept: Man bringt die Suchenden mit viel versprechenden
Dates zusammen, aus denen sich dann aber leider nichts entwickelt. Der Kunde
sieht, die Agentur bemüht sich - und führt das Scheitern eher auf sich zurück.
Eine fiese Masche, so alt wie die Branche.
Zu diesem Zweck beschäftigten die Pfuscher von jeher professionelle potentielle
Partner, um ihren Kunden Tätigkeit vorzutäuschen (und ihn oder sie finanziell zu
erleichtern). Und genauso, behauptet ein Kläger vor einem Gericht in
Kalifornien, sehe das auch bei den Online-Börsen aus: Matthew Evans behauptet,
er sei von der Online-Tauschbörse Match.com nach diesem Schema betrogen worden.
Der Klage zufolge beschäftige das Unternehmen Köder-Kontakte (firmenintern
"Ringer" oder "Date-Bait" genannt), die dafür bezahlt würden, Mitglieder mit
E-Mails und gelegentlichen Treffen bei Laune zu halten. Typischerweise setzten
diese falschen Dates zu einem Zeitpunkt ein, wenn die Erneuerung des Abonnements
anstehe.
Das alles will Evans durch einen auf diese Weise vermittelten Kontakt erfahren
haben. Die Frau habe ihm das nach mehreren Treffen "gestanden". Ihrer Aussage
zufolge kommt jeder "Ringer" auf bis zu 100 Verabredungen im Monat, drei pro
Werktag - so etwas nennt man dann wohl einen stressigen Vollzeitjob.
Match.com bestreitet die Vorwürfe: Die Klage sei "ohne jede Grundlage". Das
Unternehmen werde mit aller Kraft dagegen angehen. Eine Stellungnahme von Match
Deutschland steht noch aus.