news03.05.2006 13:35

GVU stellte im vergangenen Jahr 2170 Strafanzeigen

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU[1]) hat ihre Erfolge im Kampf gegen Raubkopierer im Jahr 2005 bilanziert. Getragen von der Film- und Entertainmentsoftware-Industrie fahndet der Verein nach Urheberrechtsverstößen. Dem Jahresbericht[2] zufolge stellte die GVU im vergangenen Jahr 2170 Strafanzeigen. 860 davon hatten Bezug zum Internet, davon betreffen rund 43 Prozent die Verbreitung von Raubkopien in elektronischer Form.

Als besonderen Schwerpunkt nennt die GVU in ihrem Bericht das "Projekt Quelle": Dabei gehe es um Ermittlungen, "die sich im Rahmen der Bekämpfung der Piraterie aktueller Kinofilme schwerpunktmäßig gegen so genannte Release-. FTP-, FXP- und Payserver sowie deren Betreiber und die Beschaffer des Ausgangsmaterials richten". Als Erfolg stellt der Verein Schläge gegen die Releasegruppe FTL[3] und in deren Folge gegen verschiedene andere Gruppen[4] heraus. Daneben habe der Schwerpunkt der Tätigkeit in der "vorbereitenden Ermittlung im Zusammenwirken mit den Strafverfolgungsbehörden" für die Operation "Boxenstopp"[5] gelegen.

Nach Informationen von c't ist den Erfolgzahlen der GVU jedoch mit einiger Skepsis zu begegnen. c't hatte in Zusammenarbeit mit dem News-Portal Onlinekosten.de aufgedeckt, dass Privatfahnder der Organisation in erheblichem Umfang die Infrastruktur von Raubkopierern finanziell unterstützt und damit die Verbreitung von Film- und Software-Kopien in mehreren Fällen befördert hat. Die Strafverfolgungsbehörden wussten nach eigenen Angaben von dieser Praxis nichts, so beispielsweise die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Sie stellte mittlerweile einen Teil durch die GVU eingeleiteten Ermittlungen wieder ein, unter anderem deshalb, weil bisher noch nicht abschließend geklärt ist, wie die GVU zu ihren Informationen kam.

Nicht im Bericht steht außerdem, dass bei der "Operation Boxenstopp" auch die GVU selbst ins Visier[6] der Ermittler geriet. Beamte des LKA Baden-Württemberg durchsuchten die Hamburger GVU-Geschäftsräume sowie die Wohnung eines GVU-Mitarbeiters und stellten dabei umfangreiches Material sicher. Mangels örtlicher Zuständigkeit leitete die Staatsanwaltschaft Ellwangen die Ergebnisse dieser Aktion nach Hamburg weiter. Die dortige Staatsanwaltschaft jedoch sah keine ausreichenden Anhaltspunkte für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen die GVU und gab das Material nach Ellwangen zurück, was dort dem Vernehmen nach für Befremden sorgte.

Bewenden lassen will es die Staatsanwaltschaft Ellwangen damit aber nicht. Sie hat die Akte unterdessen an die Staatsanwaltschaft Frankfurt abgegeben. Da in der hessischen Metropole die von der GVU mitfinanzierten Raubkopierer-Server standen, bestehe auch dort eine örtliche Zuständigkeit, erklärte der Sprecher Oliver Knopp gegenüber heise online. Der zuständige Staatsanwalt in Frankfurt habe in Vorgesprächen signalisiert, die Ergebnisse der Vorermittlungen eingehend prüfen zu wollen.

(hob[7]/c't) (hob/c't)

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  [4] http://www.heise.de/newsticker/meldung/66903
  [5] http://www.heise.de/newsticker/meldung/68738
  [6] http://www.heise.de/newsticker/meldung/68760
  [7] mailto:hob@ct.heise.de


3. Mai 2006 14:00
"ihre Erfolge im Kampf gegen Raubkopierer"
Liesel Weppen (mehr als 1000 Beiträge seit 27.10.04)

Liebe Heise-Redaktion, an dieser Formulierung ist so ziemlich alles
falsch.

Strafanzeigen sind keine "Erfolge". Interessant wäre dabei immerhin,
wieviele der erstatteten Strafanzeigen zu gestellten Strafanträgen
geführt haben, und wieviele dieser wiederum zu rechtskräftigen
Verurteilungen.

Und über den geballten Unsinn der Worthülse "Raubkopierer" ist nun
wirklich oft genug alles Nötige gesagt worden.

Bitte übernehmen Sie doch den Verdummungs-Neusprech der
Abzock-Industrie nicht so kritiklos und undifferenziert.

Danke.

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=10356424&forum_id=97077

3. Mai 2006 13:53
Es ist schon merkwürdig
ds52 (220 Beiträge seit 20.11.04)

die GVU-Bande sitzt in HH und die dortige Staatsanwaltschaft sieht
keinen Anlaß für ein Ermittlungverfahren gegen die GVU. Gibt es etwa
noch mehr Seilschaften?

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=10356356&forum_id=97077


29. Mai 2006 19:10
Leicht OT: FAZ über MI und das Internet
halon (446 Beiträge seit 31.7.00)

Hallo,

habe heute folgenden, thematisch passenden Artikelin der FAZ
gefunden:

"Download ohne Reue

Von Phillip Baur

Downloads: Legal nur für den privaten Gebrauch
29. Mai 2006
Musikpiraterie war früher Hobby weniger Computerfreaks, heute ist sie
Massensport - zum Ärger der Musikindustrie, die mittlerweile von der
Staatsanwaltschaft unterstützt wird. Millionen Musikfans sind
plötzlich verunsichert. Wir sagen, was erlaubt ist und was nicht."

> http://www.faz.net/s/Rub4C34FD0B1A7E46B88B0653D6358499FF/Doc~E4A4458FD96DC4AF78AA8E3FA93D1B577~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Leider hält der Artikel in keinster Weise was er verspricht, der
Schreiber begnügt sich fast nur mit dem rezitieren bekannter
Pressemitteilungen und Werbung für offizielle MI Angebote. Die
Kommentare sprechen wohl auch für sich. Besonders gewagt finde ich
seine These, daß durch die Schwächung der Majors die Musikqualität
und Diversität sinken werde.

"Langfristig wird die Gier der Musikpiraten zu einer Spaltung der
Branche führen. Die professionelle Musikindustrie wird einige wenige
Popbands aufbauen. Wer nicht profitabel ist, fliegt raus. Ernst zu
nehmende Künstler enden als Schrammelproletariat. Ihnen droht ein
mühsames Dasein in Bars und Kneipen. Für geniale Musikinnovationen
bleibt da keine Zeit."

Was war deren letzte Musikinnovation? Castingbands? Cactus Data
Shield 300? Massenabmahnungen? Rootkits auf Musik CDs?
Der Herr sollte mal bei Jamendo.com oder ähnlichen vorbeisurfen! Die
Indylabel und CC-Musik sind um Längen kreativer und diversifizierter
als das Angebot der Majors.
Ok, in Champagner baden und zig Millionen für "Bling-Bling" ausgeben
wie manche Rapper etc. können diese Künstler wohl nicht...

Gruß Halon

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=10514283&forum_id=98313


Jagd auf deutsche Filesharer: Kein Ende in Sicht

IFPI-Chef kündigt weitere Aktionen gegen P2P-User an

Aus der Rubrik: Filesharing
Freitag, 26. Mai 2006
von Christoph Scholl http://www.netzwelt.de/news/74171-jagd-auf-deutsche-filesharer-kein.html

Der Schreck sitzt noch tief: Nach monatelangen Ermittlungen gab die Staatsanwaltschaft Köln am Dienstag bekannt, dass 3.500 deutsche Filesharer des P2P-Netzes Edonkey identifiziert wurden und mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Statt in den nächsten Monaten die mehreren tausend Fälle zu bearbeiten und die P2P-Gemeinde erst einmal in Frieden zu lassen, kündigte IFPI-Chef John Kennedy bereits weitere Ermittlungen an - diesmal könnte das P2P-Netz BitTorrent in das Fadenkreuz der Ermittler gelangen.

In einem Interview mit Spiegel Online machte John Kennedy klar, dass den deutschen Filesharern keine Atempause gegönnt wird: "Wir wollen, dass das alles aufhört. Wir würden gern sehen, wie die Menschen ihre Musik legal beziehen", so der IFPI-Chef gegenüber dem Online-Magazin. Die deutsche Landsgruppe des Branchenverbandes IFPI hatte den Dienstleister ProMedia beauftragt, der die Behörden technisch bei der Jagd auf die Edonkey-User unterstützte.

Vielleicht noch wichtiger als der Ermittlungserfolg von Staatsanwaltschaft und IFPI war wohl die Pressekonferenz, die am Dienstag in Köln abgehalten wurde. Das Hauptziel - vor allem der Musikindustrie - dürfte nicht gewesen sein, 3.500 Filesharer zu erwischen und mehr oder minder hohe Schadensersatzforderungen zu kassieren. Vielmehr dürfte die Aktion der Abschreckung gedient haben, mit dem Signal: Es kann jeden erwischen - auch deutsche Filesharer. Diese Botschaft gab auch John Kennedy allen P2P-Nutzern mit auf den Weg. "Sieh her, es lohnt sich nicht. Ergreife die Gelegenheit und höre einfach auf damit, bevor es dich erwischt!", so der IFPI-Chef im Spiegel-Interview.

BitTorrent nächstes Ziel?

Was tatsächlich auf die erwischten Filesharer zukommt, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Anfang des Jahres gab die Karlsruher Generalstaatsanwaltschaft eine bundesweite Empfehlung an ihre Kollegen zum Thema Strafverfahren gegen Tauschbörsennutzer heraus. Demnach sollen Verfahren, bei denen es um weniger als 100 zum Tausch angebotene Dateien geht, eingestellt werden. Bei 101 bis 500 angebotenen Dateien soll es zu einer Vernehmung kommen.

Den vielleicht milden strafrechtlichen Konsequenzen stehen jedoch die zivilrechtlichen Klagen gegenüber, die mitunter weitaus unangenehmer werden könnten. Hier klagt nicht die Staatsanwaltschaft, sondern die Musikindustrie. Welche straf- und zivilrechtlichen Folgen erwischte Filesharer zu fürchten haben, hat netzwelt im Artikel "Die Filesharing-Razzia aus der Sicht eines Anwalts" einmal zusammengefasst.

Rechtliche Konsequenzen hin oder her - es wird unbequem für deutsche P2P-User. Nachdem das beliebte Edonkey-Netz bereits für eine Abschreckung hinhalten musste, müssen zukünftig auch User anderer Netze, allen voran BitTorrent, ähnliche Aktionen befürchten. "Wir verraten niemals, wen oder was unser nächster Schlag trifft. [...] BitTorrent ist nicht immun", so Kennedy.