SPIEGEL ONLINE - 06. Juni 2006, 16:46
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Musikvertrieb

EMI plant werbefinanzierte Tauschbörse

weiter unten: Tiscali nimmt legalen Dienst für P2P-Streaming vom Netz

Unter dem fortwährenden Druck durch Raubkopien und P2P-Börsen lässt sich die Musikindustrie auf Experimente ein, die vor kurzem undenkbar waren. Jetzt erlaubt EMI die P2P-Verteilung von Songs als Schnupperangebot - und setzt auf Refinanzierung durch Werbung.

Als erste der großen Musikfirmen hat EMI einen Vertrag mit Qtrax unterzeichnet, einem Service, der noch in diesem Jahr per Peer-to-Peer-Verfahren Songs verteilen will. Qtrax setzt dabei auf ein Mischmodell aus kostenloser Verteilung und Zahlung: Die Songs sind mit einer DRM-Software geschützt, die sicherstellen soll, dass man sie fünfmal kostenlos hören kann. Danach lassen sie sich per Zahlung endgültig freischalten.

Doch selbst wenn dies nicht geschieht, verdienen Qtrax und EMI an dem Modell, denn die Haupteinnahmequelle soll Werbung sein, die zwischen den Partnern aufgeteilt wird. Noch vor Jahresende hofft Qtrax, Verträge mit allen großen Labels unter Dach und Fach zu haben, vorher geht der Service nicht online.

Interessant ist der Partner in dem Deal, der für die ängstlich um ihre digitalen Waren besorgte Musikindustrie einen enormen Schritt darstellt: Noch vor wenigen Jahren schreckten die Labels selbst vor einem direkten Verkauf von Liedern über das Internet zurück. Hinter Qtrax steht auf dem Umweg über die Firma LTDnetworks die Technologie-Holding Brilliant Technologies, die sich auf den Aufkauf und auf Vermarktungsstrategien für existente, aber bisher nicht kommerziell genutzte Techniken spezialisiert hat. LTDnetworks war es bereits im März gelungen, einen Vertrag mit führenden amerikanischen Musikverlagen zu schließen.

Damit zeichnet sich ab, wohin die Reise gehen könnte im Kampf der Musikindustrie gegen die kostenlosen, aber unlizenziert operierenden P2P-Börsen: Es scheint auf einen Mix aus Verkaufseiten einerseits und Schnupperangeboten andererseits hinauszulaufen, die den Optik und Gefühl der freien P2P-Szene - verbunden mit Appetizern - bewahren sollen.

Das ist eine Werbegeschenk auf Zeit, könnte aber zumindest den Stöbertrieb der P2P-Gemeinde befriedigen: Das absolute Gros der aus P2P-Börsen heruntergeladenen Songs wird nur wenige Male gehört - und landet dann ungenutzt auf Festplatten, CD-Roms oder versandet in anderen Formen des digitalen Nirvanas.

pat/rtr


news07.06.2006 15:28

Tiscali nimmt legalen Dienst für P2P-Streaming vom Netz

Der Internetprovider Tiscali[1] hat seinen Peer-to-Peer-Streaming-Dienst Namens "Tiscali Juke Box" nach nur einem Monat wieder vom Netz genommen. Das Unternehmen sah sich zu diesem Schritt veranlasst, nachdem die Musikindustrie eine Abschaltung der Künstlersuche innerhalb der Juke Box gefordert hatte. Der Streaming-Dienst, dessen Basistechnologie vom US-amerikanischen Anbieter Mercora.com stammt, erlaubt innerhalb eines Peer-to-Peer-Netzes das Durchsuchen von Musiksammlungen anderer Nutzer nach Genre und Künstler. Das Streamen ist möglich, ein Herunterladen nicht.

Eben an der Möglichkeit der Künstlersuche entzündet sich nun die Kritik der Musikindustrie, die in ihren Verträgen zwischen "nicht interaktiven Rechten" (wie nicht beeinflussbares Internetradio) und "interaktiven Rechten" (ein durchsuchbarer Dienst) unterscheidet. Tiscali hat demzufolge nur nicht interaktive Rechte erworben und sollte für die Tiscali Juke Box nun nachverhandeln oder die Suchfunktion beschneiden.

In einem offenen Brief[2] an die europäische Musikindustrie erhebt das Unternehmen nun schwere Vorwürfe. "Offensichtlich verstehen die Major Labels nicht das Geschäftspotenzial, das in einem Dienst wie Tiscali Music steckt", kommentiert Senior Vice President Mario Mariani in dem Schreiben. Allein in den ersten Wochen nach der Einführung des Streaming-Dienstes sei die Zahl der im verlinkten Online-Shop verkauften Titel um 30 Prozent gestiegen.

Weiter moniert Mariani die "überraschende Kurzsichtigkeit der Musikindustrie, die nicht einmal den Versuch unternimmt die Bedürfnisse oder Gewohnheiten von Musikliebhabern im Internet zu verstehen." Verwunderlich sei, dass die Labels nicht schon während der ausgiebigen Testphase ihre Bedenken zu Gehör gebracht hätten – noch verwunderlicher, dass das identische Angebot von mercora.com in den USA und Canada offensichtlich rechtlich unproblematisch sei.

Mercora.com ist ohne Regionalprüfung auch von Europa aus zu nutzen. Wer sich für das Peer-to-Peer-Streaming interessiert, kann nach dem Herunterladen der Mercora-Software[3] Streams mit bis zu 96 kBit/s im Ogg-Vorbis-Format genießen – und darf selbstverständlich auch nach Künstlern suchen.

(sha[4]/c't) (sha/c't)

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  http://www.heise.de/newsticker/meldung/73966

Links in diesem Artikel:
  [1] http://www.tiscali.com
  [2] http://uk.tiscali.mercora.com/tiscali_letter_uk.htm
  [3] http://www.mercora.com
  [4] mailto:sha@ct.heise.de


7. Juni 2006 15:44
Die Bedürfnisse oder Gewohnheiten von Musikliebhabern im Internet
ADie (mehr als 1000 Beiträge seit 9.5.01)

Yo, das hat Mariani gut erkannt und beschrieben. Wer gar nicht
vorhat, illegal Musik zu tauschen, sondern das Internet nur benutzt,
um Hörenswertes zu finden, wird eigentlich geradezu in die
Illegalität gezwungen.

Wie oft habe ich schon Internetradio gehört, dabei Künstler entdeckt,
die mir gefielen, von denen ich noch nie etwas gehört habe und mir
gewünscht, jetzt irgendwo draufklicken zu können, um das Gehörte auch
auf meine Platte zu laden und damit nicht wieder zu verlieren. Für
einen vernünftigen Preis, versteht sich.

Aber so etwas funktioniert natürlich nicht, weil die Penner von den
Musiklabels immer noch der schönen alten Zeit hinterhertrauern.

Und dann wundern die sich, dass so etwas wie allofmp3.com boomt. Das
ist normalerweise die letzte Möglichkeit, halbwegs legal an die Musik
heranzukommen, die man gerade irgendwo im Internetradio gehört hat.

iTunes und ähnlicher DRM-verseuchter Schrott scheidet für mich von
vornherein aus.
Läuft ja auch sowieso nicht unter Linux.

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=10567952&forum_id=98778

7. Juni 2006 14:20
Kein DRM
hellmarke (mehr als 1000 Beiträge seit 8.12.00)

Die Gierhälse der hiesigen Heuschrecken werde ich solange nicht
unterstützen, bis sie DRM Goodbye gesagt haben. Ich kaufe in Rußland
nicht nur wegen der Preise, sondern vor allem deswegen, weil man hier
alles über MP3 abwickeln kann und noch dazu das meiste in der
Qualität, wie ich sie haben möchte. Und hin und wieder kaufe ich auch
FLACs, also ganz ohne Kompressionsverluste. Und der Shop läuft
ordentlich mit Linux. Solange sie das hierzulande nicht begreifen,
betrete ich die DRM-verseuchten Drecksläden nicht. Und jaja, gleich
heißt es wieder, es gibt die oder die Indie-Seite mit MP3s. Das ist
mir aber Wurst, ich will auch Mainstream mit MP3s haben. Und wenn
nicht als MP3, dann halt gar nicht. Ich akzeptiere eher ein digitales
Wasserzeichen, Hauptsache, das Zeug bleibt frei genug, um es überall
abdudeln zu können.

Ich find's ja interessant, daß eine so winzige Industrie eine so
mächtige Lobby hat. Bei Energie oder Waffen, da interessiert's keine
Sau, was die Russen machen. Aber bei dem "wirklich wichtigen
Weltwirtschaftsthema Urheberrecht" (*kotz*) würden sie am liebsten
A-Bomben werfen. Die sind doch total durchgeknallt, die Gierhälse.
Und das nur, weil sie den hals nicht voll kriegen, ewig den Anschluß
an die technik verpaßt haben und meinen, indem sie dem Kunden
Daumenschrauben anlegen und sie verarschen, wo es nur geht, kommen
die Kunden zurück? Wer kauft schon bei einer solchen Verbrecherbande,
die sich ganze Staaten kauft? Selbst, wenn allofmp3 mit der
russischen Mafia kooperieren würde, wären die aus meiner Sicht immer
noch moralischer als die Musik- und Film-Industrie, die wohl
mittlerweile über Leichen gehen. Eigentlich sehe ich keinen
Unterschied zwischen Content-Wirtschaft und Mafia. Ach ja, netter
Link zum Thema kopieren:

http://www.intern.de/news/8020.html

"Die Waffe war kein Durchsuchungsgrund"
Da sieht man mal, wie verrückt die mittlerweile sind. Ein
Tötungsutensil ist weniger gefährlich als CDs. Die gehören doch alle
in die Klapse.
"Wie oft müssen wir noch singen?" - "Bis Papi wieder gesund ist. Aber
dazu muß er erst akzeptieren, daß kopieren ungefährlich ist. Das geht
in manche Köpfe nunmal nicht rein."

Tschüssy,
Helly

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=10566944&forum_id=98757

Politikum AllofMP3

7. Juni 2006 13:02
Die MI gibt sogar zu, dass sie die Künstler verarscht!
Internetz (496 Beiträge seit 1.4.04)

Bin neulich beim rumzappen mal bei RTL und der "Super ultra
definitiven Chart-Show" oder so gelandet. Da ging es um den Song
"Kung-Fu Fighter" - ein Welthit mit dem Millionengewinne erzielt
wurden.

Am Ende des Beitrags hieß es dann: "Reich geworden sind die Künstler
mit ihrem Song allerdings nicht: 'Jeder von uns hat 16 Pfund
bekommen, für die 3 Stunden im Studio.'" Da ist mir echt übel
geworden!

Die MI gibt also offen zu, dass sie die Künstler verarscht - sie
geben sogar damit an! Also bitte keine Kommentare a la "Bei AllOfMP3
bekommen die Künstler fast nichts." - woanders bekommen sie auch
nichts!

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=10566042&forum_id=98757