SPIEGEL ONLINE - 28. Juli 2006, 06:15
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Kampagne gegen Raubkopierer
Von Christian Stöcker
Im Rahmen ihrer Kampagne "Raubkopierer sind Verbrecher" lässt die Filmindustrie unter anderem überprüfen, welche Filme wie oft aus illegalen Online-Tauschbörsen heruntergeladen werden. Richtige Download-Charts lassen sich so ermitteln.
"Ice Age 2 - Jetzt taut's" war besonders erfolgreich. Nicht nur an der Kinokasse - weit über 2 Millionen sahen den Film allein am Startwochenende im April im Kino - sondern auch im Netz: Laut einer Studie der Spezialfirma P4M ("Die InternetAgenten") wurde der Film über flauschige Animationstierchen am Ende der Eiszeit allein an diesem ersten Aprilwochenende 121.894 Mal über das Bittorrent-Filesharingsystem heruntergeladen.
Um deutlich zu machen, wie sehr sie sich durch illegale Filmdownloads geschädigt sieht, greift die Industrie nun also zur Statistik. Tatsächlich sind die Zahlen, die P4M ermittelt hat, erstaunlich - zumal es sich, erklärt deren technischer Leiter Petur Agustsson, nur um deutsche Versionen der jeweiligen Filme handeln solle. Die über 100.000 im Netz gefundenen vollständigen Kopien von "Ice Age 2" seien "alle im Kino abgefilmte Versionen" gewesen sagt Agustsson - also wackelig gedrehte, mit unterirdischem Ton versehene Mitschnitte aus Kinosälen. Eine deutsche DVD-Version gab es zum Kinostart noch längst nicht.
Daraus wiederum lässt sich allerdings auch ablesen, dass sich der Schaden für die Industrie durch diese über Bittorrent verteilten Kopien nicht wirklich in Unverkaufte Kinokarten umrechnen lässt. Denn so mancher dürfte sich beim ersten Blick auf das, was er da stunden- oder tagelang aus dem Netz gezogen hat, mit Grausen abwenden, spätestens, wenn das Kind auf dem Sitzplatz neben dem Piraten mit der Kamera anfängt, den Film zu kommentieren.
Sämtliche Filme mit 50.000 oder mehr Besuchern, so ein Ergebnis der Studie, seien am Eröffnungswochenende bereits im Netz verfügbar. Bei Filmen mit 10.000 bis 50.000 Zuschauern seien es am ersten Wochenende immer noch 80 Prozent. Beim Remake von "Das Omen" etwa stünden gut 82.000 Downloads gut 135.000 verkauften Kinokarten gegenüber. Besonders verbreitet seien aber Thriller, Action-, Kinder- und Animationsfilme. Filme der Gattung "Drama" - was immer P4M darunter versteht - werden dagegen weniger schnell ins Netz gestellt, Dokumentarfilme waren am Startwochenende nur in 6 Prozent der Fälle online als abgefilmte Version verfügbar. Mit anderen Worten: Online verteilt und heruntergeladen wird vor allem Popcornkino. Filmkunst ist in pixelig-blecherner Fassung eher unpopulär.
Petur Agustsson erklärte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, wie P4M diese Download-Statistiken ermittelt. Die einzelnen sogenannten Tracker, also die Server, die die Verbindungen zwischen denen herstellen, die eine Datei ganz oder teilweise auf ihrer Festplatte haben, zählen mit: Jeder beendete Download einer bestimmten Datei wird vermerkt. Diese Daten stehen zur Verfügung und können mit einem entsprechend modifizierten Bittorrent-Client, also einer Variante der Tauschbörsen-Software, abgefragt werden.
Die P4M-Fahnder suchen also alle von einem bestimmten Film vorhandenen Bittorrent-Versionen aus dem Netz - spezielle Seiten listen solche Dateien auf und stellen Dateien zur Verfügung, die eine Verbindung zu dem entsprechenden Netzwerk herstellen. Die Häufigkeit, mit der alle gefundenen deutschen Fassungen eines Films heruntergeladen worden sind, wird dann festgehalten. Dazu müssen die Fahnder selbst saugen - tun das aber natürlich mit offizieller Erlaubnis ihrer Auftraggeber.
Personenbezogene Daten über einzelne Nutzer der Tauschbörsen sammeln Agustsson und seine Kollegen bislang aber nicht - das wäre in Deutschland auch nur mit Hilfe eines Gerichtsbeschlusses möglich. Rein technisch ist die Identifikation in einer Bittorrent-Börse aber sehr einfach: Jeder der an der Verteilung einer Datei, also beispielsweise "Ice Age 2" teilnimmt und Daten herunter- oder hochlädt oder beides, der ist auch mit seiner IP-Adresse für alle anderen Beteiligten zu sehen. Die IP-Adresse ist, über die Datenbank des Internet-Providers, dem entsprechenden Nutzer zuzuordnen.
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