Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/0705/52214.html    Veröffentlicht: 10.05.2007 15:16
 

Musikindustrie und Udo Jürgens setzen Kanzlerin unter Druck

Einschränkung der Privatkopie und Verlängerung der Schutzfrist gefordert

Bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben Vertreter der internationalen Musikindustrie zum Handeln gedrängt, um die "Krise im deutschen Musikmarkt" zu bekämpfen. Als geeignete Maßnahme dazu schlägt die Musikindustrie unter anderem vor, bei Urheberrechtsverstößen im Internet den Internetzugang zwangsweise kündigen zu lassen.

Am Dienstag, dem 8. Mai 2007, traf Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit Schlagersänger Udo Jürgens den Weltvorstand der Internationalen Vereinigung der Musikindustrie (IFPI), um über die veränderten Rahmenbedingungen "der Musikindustrie als eine der tragenden Säulen der Kreativwirtschaft" zu sprechen. Die Bundeskanzlerin ist zu einer Zeit, in der sie zugleich Vorsitzende des EU-Rates und für die Organisation des G8-Gipfel zuständig ist, eine besonders interessante Ansprechpartnerin für die Industrievertreter und den Sänger.

Beide wünschen sich eine Ausweitung ihrer geistigen Eigentumsrechte auf Kosten einer Beschneidung der Rechte der Öffentlichkeit und der Verbraucher. "Konkret ging es um einen verbesserten Schutz der Rechte und Interessen von Künstlern und Tonträgerherstellern vor Internetpiraterie und Raubkopien sowie die Frage der Schutzfristen", heißt es dazu in der Presseerklärung der deutschen Landesgruppe der IFPI.

Auf dem Treffen mit der Bundeskanzlerin haben die IFPI-Vorsitzenden, darunter Lucian Grainge von der Universal Music Group und Rolf Schmidt-Holtz von Sony-BMG, eine Reihe von Vorschlägen dazu unterbreitet, wie Angela Merkel die Interessen der Musikindustrie umsetzen könnte. Konkret umfasst die Wunschliste folgende Punkte:

 

Die Verlängerung der gesetzlichen Schutzfrist für Musikaufnahmen von derzeit 50 Jahren nach der Veröffentlichung auf 95 Jahre - wie in den USA - ist auch ein persönliches Anliegen von Schlagersänger Udo Jürgens: "Immer mehr Künstler müssen die bittere Erfahrung machen, dass ihre frühen Aufnahmen und ihr geistiges Eigentum ohne ihr Wissen, ihren Einfluss und ohne eine Entschädigung veröffentlicht und kommerziell ausgewertet werden." Nach geltendem Recht erlischt das exklusive Vervielfältigungs- und Verbreitungsrecht für Aufnahmen 50 Jahre nach deren Erscheinen.

In den kommenden Jahren erlischt die Schutzfrist für viele Aufnahmen aus der Nachkriegszeit und den frühen Jahren des Rock. Betroffen ist davon nicht nur Udo Jürgens; auch die noch verbliebenen Beatles, deren Alben bis heute Bestseller sind, sehen dem Ende der Schutzfrist für ihre frühen Aufnahmen entgegen. Zusammen mit Musikerkollegen wie U2, PJ Harvey, Pete Townsend und Paul Simon kämpft deshalb auch Paul McCartney, dessen Vermögen sich auf über eine Milliarde Euro beläuft, schon seit längerer Zeit für eine Verlängerung der Schutzfristen auf 95 Jahre und die damit verbundenen Mehreinnahmen.

Kritiker dieses Vorschlages, wie der amerikanische Rechtsprofessor James Boyle, halten das Ansinnen für einen Vertragsbruch mit der Öffentlichkeit. Sein Argument: Die Musiker und Musikfirmen wussten seinerzeit, worauf sie sich einließen, als sie die Aufnahmen machten - 50 Jahre Schutz und nicht mehr. Mit dieser Schutzfrist wurden die Preise für die Tonträger kalkuliert, die von den Verbrauchern zu bezahlen waren. Im Gegenzug würden die Aufnahmen nach Ablauf der Schutzfrist ohne Erlaubnis vervielfältigt und verbreitet werden dürfen - wobei Komponisten und Texter über Abgaben an die Verwertungsgesellschaften an den so erzielten Einnahmen beteiligt wären.

Boyle moniert, dass jetzt, wo der Ablauf der Schutzfrist droht, Musikfirmen und Musiker "im Nachhinein die Vertragsbedingungen ändern" wollten - zu Ungunsten der Verbraucher. Boyles Argument: "Viele Aufnahmen gibt es schon 20 Jahre nach Erscheinen überhaupt nicht mehr zu kaufen und nach 50 ist es nur noch ein verschwindend geringer Teil. Deren Rechteinhaber zu finden, ist extrem schwierig. [...] Das sind 'verwaiste Werke' - eine Kategorie, die den größten Teil der kulturellen Artefakte des 20. Jahrhunderts umfasst." Nach 50 Jahren könnten alle diese Aufnahmen rechtmäßig wieder in Verkehr gebracht werden, ohne dafür erst eine Erlaubnis einholen zu müssen. Würde man die Schutzfrist jetzt verlängern, so "verliert das Publikum ein zweites Mal" und "wir sperren auch weiterhin fast 100 Prozent unserer aufgenommenen Kultur weg".

Auch ein im vergangenen Jahr im Auftrag der britischen Regierung erstellter Bericht zur Lage des geistigen Eigentums, der Gowers-Report, kam zu dem Schluss, dass eine Verlängerung der Schutzfrist - insbesondere eine rückwirkende Verlängerung, wie von der Musikindustrie gefordert - unangebracht sei. Dafür handelte sich der Leiter der Untersuchungskommission und ehemalige Chefredakteur der Financial Times, Andrew Gowers, heftige Kritik von Seiten der Musikindustrie ein. In einer Anzeigenkampagne, in der sogar längst verstorbene Musiker als Unterzeichner geführt wurden, forderte die Industrie Gerechtigkeit und "Fair Play for Musicians".

In einem Interview mit dem Magazin Out-Law erklärte Gowers dazu, dass in seinen Augen durchaus gerechtfertigt gewesen wäre, "basierend auf wirtschaftlichen Argumenten, für eine Verkürzung der Schutzfrist zu plädieren", worauf er aber verzichtet habe. Mit dem Vorschlag, die bestehende Schutzfrist beizubehalten, hätte er sich stattdessen "für den politisch weisen Weg" entschieden.

Gegen eine Verlängerung der Schutzfristen plädierte auch der US-Ökonom Hal R. Varian im Interview mit Golem.de: "Eine nachträgliche Verlängerung ist ganz sicher nicht sinnvoll. Was zählt, sind doch die Anreize zu dem Zeitpunkt, zu dem ein Werk entsteht. Künstler wie Elvis oder die Beatles wussten doch damals nicht, wie viel Geld man mit ihrer Musik verdienen kann. Sie hatten damals aber ganz offenbar genug Anreize, Musik zu machen. Es ist nicht sinnvoll, diese Anreize im Nachhinein zu erhöhen."

Zusammen mit weiteren namhaften Ökonomen wie Georg Akerlof, Kenneth Arrow, James M. Buchanan, Ronald Coase und Milton Friedman legte er in einer Stellungnahme an den Obersten Gerichtshof der USA dar, dass eine Verlängerung des Urheberrechts um 20 Jahre den Wert der Rechte nur um 0,33 Prozent erhöht.

Für die Tonträgerhersteller laufen die Geschäfte insgesamt nicht gut. Die Lage des deutschen Tonträgermarktes hat sich auch im vergangenen Jahr nicht entspannt. Aus der aktuellen GEMA-Bilanz geht hervor, dass die Umsätze mit Tonträgern im Jahr 2006 um rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken sind. Die gleichzeitige Zunahme des Online-Geschäfts mit Musik konnte die entstandenen Einnahmeverluste trotz des rasanten Marktwachstums nicht kompensieren, da laut einer aktuellen GfK-Studie "2006 allein in Deutschland 374 Millionen Songs illegal aus dem Internet heruntergeladen und Musik im Gegenwert von 486 Millionen Alben als Privatkopie auf CD- und DVD-Rohlinge gebrannt worden" sind, wie die Musikwoche berichtet.

Im April 2007 zwischen IFPI und Verwertungsgesellschaften neu vereinbarte Lizenzmodelle sollen es in Zukunft erleichtern, Musik grenzüberschreitend online zu vermarkten. Es bleibt aber abzuwarten, welche Auswirkungen diese Vereinbarungen auf die Umsätze im Musikmarkt haben werden. [Robert A. Gehring]  (ji)

 
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Links zum Artikel:
IFPI: http://www.ifpi.de/
IFPI (.org): http://www.ifpi.org

http://www.golem.de/print.php?a=52214


Urheberrecht: DRM soll digitale Privatkopie weiter ausstechen

22. Juni 2007 11:13

Ein saublödes Volk

0wn3d (553 Beiträge seit 25.08.05)

sind wir, und so schön gutmütig. Wir lassen uns vor den Wahlen
regelmäßig einen vom Pferd erzählen, akzeptieren gleichgültig das
Kippen von Wahlversprechen und sehen anschließend dabei zu wie unsere
neue "Regierung" aus Angst vor Popularitätsverlusten Reform-Mikado
spielt (bloß nichts bewegen, siehe Gesundheits-, Renten- und
Arbeitsmarktreform). Unsere Politiker schauen sich
öffentlichkeitswirksame Ideen aus dem Ausland ab (siehe
skandinavische Länder und das Elterngeld) und setzten diese um,
obwohl die Ursprungsländer diese Maßnahmen weil sinnlos und
kontraproduktiv schon wieder abgeschafft haben. Wir sind
Exportweltmeister und gleichzeitig Schlusslicht in Sachen
europäischer Lohnentwicklung. Wir nehmen hin dass Korruption,
Missmanagement und Unfähigkeit großzügig abgefunden wird und sich
angebliche Arbeitnehmervertreter einkaufen lassen. Korrupte Manager
und käufliche Arbeitnehmervertreter werden weniger streng bestraft
als Michel der nebenbei die Hand aufhält und für die Nachbarschaft am
Auto schraubt. Wir schlucken dass Ämter wie das
Arbeitslosenverwaltungsamt Schweinegeld für fast unveränderte Logos
rausplempert, Software kauft die laufend Shice baut, wegen "zu wenig
freier Kästchen im Formular nicht alle Kompetenzen eines Arbeitslosen
erfassen kann" (ist mir genau so passiert), teure, ominöse
Beraterverträge mit Firmen hat die "zufällig" Verwandten von
Politikern gehören. Wir bezahlen Steuer um Steuer und akzeptieren
dass trotzdem jeder Pups Leistung den unsere Ämter für uns erbringen
sollen "extra zu bezahlen ist". Wir überlassen Ministern mit
Stasi-Ambitionen die Kontrolle über unsere grundlegensten Rechte und
stehen nicht mal brüllend vor dem Bundestag wenn darüber nachgedacht
wird grundlegenste Rechte unter "Terrorverdacht" auszuhebeln. Wir
halten still während Lobbyisten und Industrie eingebrachte Gesetze
nach ihren Vorstellung formen, gestützt durch Politiker mit ominösen
Beraterverträgen und Scheinfirmen die virtuelle
"Consultingleistungen" erbringen. Wir bezahlen bereitwillig Abgaben
auf Geräte und Medien, für Leistungen, die wir gar nicht in Anspruch
nehmen dürfen und nehmen in dem Zusammenhang sogar hin pauschal
kriminalisiert zu werden.

Wir sind achtzig Millionen. Und wir lassen uns bereitwillig
verarschen. Auf dem Gebiet ist unsere kollektive Leistung einfach
tadellos.

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12988788&forum_id=119289&MD5=aeb3eeb1e3ba1e18b5778598e905dbb8&postvote=2

22. Juni 2007 10:09

Nächste Woche: Grundgesetzänderung

stew (mehr als 1000 Beiträge seit 24.02.00)

Der neue Wortlaut von Artikel 20 Absatz 2 wird sein:

Alle Staatsgewalt geht von Konzernen aus. Sie wird von den Konzernen
in Parteispengen und Schmiergeldern und durch besondere Organe der
Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung
ausgeübt.

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12988338&forum_id=119289

22. Juni 2007 9:47

Ich verstehe es nicht mehr ... ? ... bin verwirrt: Helft mir mal!

big_M (217 Beiträge seit 05.12.00)

Also:
Gaaanz früher, wo noch lange Kunststoffbänder in eckigen Gehäuse als
MC auf dem MArkt waren, da kostete eben diese nicht 5 DM, sondern
5,50 - Diese 50 PFennige gingen dann an irgendwelche Rechteinhaber,
da man ja mit diesen MCs ihr Eigentum vervielfältigen konnte. Quasi
ein Ablaßbrief für den Heimbereich.
Dann hörte ich jahrelang etwas vom "Recht auf Privatkopie". Dazu
wurden die Ablaßsteuern (?!) auf CDs und DVDs erweitert.
Ich regte mich bei Heise im Forum auch gerne darüber auf, daß ich
dann für meine eigenen Produktionen auch an die Ablaßconnection
bluten muß - Egal: Ist ja für einen guten Zweck ... nehmen und etwas
geben.
Dann kamen vor wenigen Monaten verschärfte Töne der MiFi: Man wolle
DRM nutzen, um keine Privatkopien mehr zuzulassen.

Von da ab verabschiedete sich mein Verstand. HElft mir mal:

* Ich zahle noch Ablaß und darf nix mehr kopieren
* Ich bekomme Musik auf CD (gekauft) und diese kann ich nicht mehr
auf meinem Shuffle als MP3 zum Joggen mitnehmen?
* Sicherungskopien? Die Scheiben zerkratzen doch! Oder werden aus dem
Auto geklaut.
* Ich erwerbe zu dem Preis, zu dem ich früher alle meine Player
bedängeln konnte, nur noch Rechte auf das n-malige Abspielen an einem
einzigen Ort? (iPod, PC)
+ Die CDs laufen nicht mehr überall.
...

Argument: Raubkopien unterbinden. das ist dummes Zeug: Solange ich
Musik hören kann, also Autio irgendwo raus kommt, ist diese auch
kopierbar und in andere Formate konvertierbar. Wenn dies möglich ist,
wird es IMMER viele geben, die das auch ausnutzen und tauschen.

Wo bleibt eigentlich die Marktaufsicht? Ist dieses Treiben nicht
schon wider guter Sitten?

Wenn ich das auf ein Auto übertrage, hätte es eckige Räder,
funktioniert nur in der Stadt, wo es gekauft wurde und kann nicht
wieder betankt werden - Wenn Tank leer, dann muß es entsorgt werden.

Ich würde nun darauf schließen, daß es sich beim MArketing der MiFis
um realofeindliche Beschränkte handelt - Aber eventuell hilft mir
jemand von Euch: Idioten kommen nämlich nicht an die Spitze einer so
mächtigen VEreinigung. Was haben die vor?

Ich hätte gesagt, daß man die Titel so günstig machen sollte, daß die
Anzahl den Verlust ausgleicht. Aber Pustekuchen: Ein Lied kostet 99
Cent. Für einen Abend sollte man im privaten Kreis mal eben 100
Lieder zur Auswahl haben und das sind 100 Euronen. Mal ehrlich: 20
würde ich ausgeben!

Ich raff es einfach nicht. Was bewegt die MiFi zu solchen Schritten?
Sind die so frustriert bei den ganzen Raubkopien? Merken die nicht,
daß ihr Handeln den Zustand verschlimmert?

ODER: Liege ich da falsch, dann klärt mich bitte auf. 

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12988218&forum_id=119289&MD5=a531a18b70b5789d137161f22b110f00&postvote=2

22. Juni 2007 9:46

Offensichtlich Bestechung durch die Lobby

carstensc (249 Beiträge seit 13.06.02)

Anders kann ich mir sowas nicht erklären.

Es gibt ja auch genug Politiker, die es einfach nicht besser wissen
und dann entweder wenn ihre Fraktion den arm  hebt immer dabei sind
(Hinter-Hinterbänkler) oder bei denen offensichtlich keinerlei
Fachwissen vorhanden ist, sie aber auf dem "rechten" Weg bleiben
wollen (Becksteinismus).

Bei den meisten im Bundestag - auch bei den großen Parteien - sehe
ich das nicht. Ich weiß das aich auch mal optimist sein kann.

Wie ist sowas dann möglich das man 1:1 auf die Industrie hört und so
Bildungs- und Privatkopie dermaßen einschränkt bzw. abschafft mit der
folge der Massenkriminalisierung? Ganz einfach: Die richtigen Leute
wurden überzeugt. In dem Ausschüssen die sowas in Hinterzimmern
beraten wurden die Meinungsmacher vorher weichgekocht. Und sicher
durch "positive Konditionierung". Anders ist sowas nicht zu erklären.
Mitlerweile sind ja nicht mehr so viele Rechtsanwälte im Bundestag
das diese ihren Kanzleien damit arbeit zuschanzen müsten durch noch
komplexere Gesetze (das schaffen sie auch so).

Wenn ich im Auto nicht mehr die gebrannte Kopie hören darf von meinem
Original hört der Spaß echt auf. Aber ich merke mir mal das nicht nur
wegen der "Terrorbekämpfung" und Beschneidung ander Rechte die beiden
großen Parteien unwählbar geworden sind.

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12988210&forum_id=119289&MD5=cd8f895dea6a48e55156f61a0bff257a&postvote=2

22. Juni 2007 9:40

Deregulierung, Freiheit, Bürgerliches Engagement, Globalisierung, Demographie

www.yzx.de (mehr als 1000 Beiträge seit 11.02.00)

Deregulierung meint nicht weniger Gesetze für den Bürger, sondern
weniger gesetzliche Einschränkungen für die Wirtschaft. Die - wie
hier - dann schonmal mit mehr Gesetzen für den Bürger einhergehen.
:-)

Freiheit (etwa im Sinne der CDU oder F.D.P. Grundsatzprogramme) meint
nicht etwa die freie Entfaltung der Persönlichkeit, also die
individuelle Freiheit, sondern allein die freie Entfaltung jeglichen
wirtschaftlichen Handelns. Auch das geht - wer hätte das gedacht :-)
- des Öfteren mit gewissen Beschränkungen der Freiheit des
Individuums (und das regelmäßig auch noch reziprok proportional zu
dessen Kontostand) einher.

Bürgerliches Engagement meint ebenfalls nichts weiter als "weniger
Staat", damit dann die "Wirtschaftenden" bestimmen können, wo es
langgeht. Hatte ich ja bereits mit 'nem Beispiel  unterlegt:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=2425#more-2425

Globalisierung soll unterstreichen, dass die v.g. Veränderungen
zwangsläufig und unvermeidbar sind. Gab es ja vorher auch nicht.
Schon die Walfängerei im 19. Jahrhunderts haben ja nur vor der
heimischen Küste operiert und ihre Produkte da auch verkauft.
Allerdings findet Globalisierung dann nicht statt, wenn es
Wirtschaftsinteressen (ach, da isse ja wieder) zuwider läuft: Siehe
etwa Region-Codes, auf Urheberrecht gestützte Verkaufsstops etc.

Demographie ist in Deutschland der zweite "Grund" dafür, dass die
v.g. Änderungen zwangsläufig und unvermeidlich sind. Zwar lag die
Geburtenrate vor 20 Jahren noch um einiges niedriger und Deutschland
hat heute dennoch mit 82 Mio. Einwohnern so ziemlich den höchsten
Bevölkerungsstand seit Menschengedenken. Auch lag der Rückgang der
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung von 1992 bis heute mit
imho fast 20 Prozent weit höher, als er für den im Jahr 2030
bevorstehenden "Rentenschock" mit imho etwa 10 prozent noch
prognostiziert wird, Aber wenn das in den vergangenen 15 Jahren
keiner gemerkt hat, dann muss man natürlich so lange drüber reden,
bis jeder glaubt es zu merken. Herr Thomas (self-fulfilling prophecy)
lässt grüßen.

Und wo ist hier die Wirtschaft? Hehe, ganz groß drin: Private Rente,
private Pflegeversicherung. Da geht es um Billionen die es aus
Richtung Staat auf auch so viel preiswertere Private umverteiltz
gehören. Am besten per Gesetz. Weils ja billiger ist, denn der Staat
zahlt schließlich viel höhere Löhne und Managementgehälter und muss
auch noch zweistellige Renditen erwirtschaften. Oder so ähnlich. :-)
Weswegen die abgewirtschafte Lebensversicherungsiwrtschaft ja auch
nie mit Steuergeldern aufgepäppelt werden will. Um so erstaunlicher,
dass so viele Versicherte dem zockenden Versicherungskonzern mehr
vertrauen als dem vorsorgenden Staat.

Naja. jedes Volk bekommt halt die Regierung, die es verdient, äh,
wählt. :-)

Das nur mal so ganz beiläufig bemerkende Grüße,

Stephan

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12988163&forum_id=119289&MD5=ff7a4cdd5f2c80db0127b43c97554726&postvote=2

22. Juni 2007 9:33

Urheberrechtsabgabe ja, Privatkopie nein

Thomas Arens, Thomas Arens (294 Beiträge seit 21.02.01)

Wenn ich schon pauschal auf viele Geräte draufzahlen muß, dann muß
ich auch das Recht auf Privatkopie haben. _Ohne_ DRM-Mist.

Wenn ich aber nicht kopieren darf (und offiziell ja auch gar nicht
kann, schließlich handelt es sich um technisch würgsame
Kopierschutzverfahren), dann brauche ich auch keine Abgaben zahlen.
Denn dann würde ich für eine illegale Tat, die mir unterstellt wird
und die ich ja gar nicht begehen kann (Kopierschutz...), im Voraus
bezahlen, quasi als Ausgleich.

Kann ich dann demnächst auch einfach bei der Polizei 100€ abdrücken
und nachher jemanden auf's Maul haun, ohne weitere Folgen? Ich muß
mal grad zur Bank.

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12988122&forum_id=119289

22. Juni 2007 9:28

Geräteabgabe aber nicht kopieren dürfen?

Tekknotrip (383 Beiträge seit 16.01.02)

Sacht mal...spinn ich denn jetzt?

hab ich das richtig gelesen, ich soll eine Geräteabgabe bezahlen für
einen DVD Brenner, darf aber nichts mehr brennen (für meine privaten
Fotos oder Festplattenbackups verletze ich keine DR)??? Wofür bezahle
ich denn die Geräteabgabe`?

Boingi, Boingi, Boingi

UND die POLITIK soll in SINNE des Volkes handel (VOLKSVERTRETER) und
nicht im SINNE der LOBBY!

http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12988086&forum_id=119289&MD5=9d4f292b918e26701224cbdf7ecb0797&postvote=2

22. Juni 2007 9:08

Volksverdummung

oxnoxo (mehr als 1000 Beiträge seit 23.01.02)

Wer hinter den Entwürfen steckt ist klar: Nicht Politiker, die
Sachverstand und Augenmaß haben, sondern Lobbyisten der Mediengruppe,
die weitgehend unter Ausblendung der Öffentlichkeit direkten Zugang
zu den Verantwortlichen haben. Suffleusen der Medienindustrie sind
die "Macher" des Gesetzes in der aktuellen Ausgestaltung.

Allerdings liegt hier ein grober Fall von Volksverdummung vor:

* Da alle privaten Kopien urheberrechtlich geschützten Materials
verboten werden sollen (sogar Streichung von Bagatellklauseln), kann
es überhaupt nicht sein, das irgendein Gerät oder eine Software im
nennenswerten Umfang eben zur Anfertigung selbiger Kopien genutzt
wird. Damit gerät die Regierung in Erklärungsnot, wenn sie ernsthaft
über Pauschalen diskutieren will.

* Im Umkehrschluss kann und darf nur noch Medienmaterial kopiert
werden (erst recht im nennenswerten Umfang), wenn eben jenes Material
NICHT urheberrechtlich geschützt ist. Dadurch wird die pauschale
Urheberrechtsabgabe zu diebischen Bereicherung an der Leistung derer,
die nicht mit dieser merkwürdigen industrie zusammen arbeiten und die
ihre Kreationen eben ohne diesen ideologischen Schwachsinn zur
Verfügung stellen.

Leider sind die Bürger - vor allem in unserem Land - sehr hörig
gegenüber selbsternannten Autoritäten und der Obrigkeit. Folglich
werden sie es nicht mehrheitlich wagen, aus der anonymen und feigen
Masse herauszutreten und zu opponieren. DAS ist das eigentlich
traurige.

Unsere Regierung, Schäuble & Co, die Statisten und Lobbymarionetten
in Nadelstreifen sind nur deshalb mächtig und können nur deshalb am
Mehrheitswillen der Bürger vorbei agieren, weil die Bürger ihren
Willen nicht mehrheitlich äußern und sich Willkür- und
Unrechtsmaßnahmen nach Art des "Kadavergehorsams" ergeben.

Soweit mein Wort zum Freitag ...

Grüße

OxnoxO 

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22. Juni 2007 8:59

Geld regiert die Welt - nicht das Volk

Peter Adolf, Peter Adolf (360 Beiträge seit 25.08.06)

Hallo,

ja ich habe meinen Titel absichtlich etwas provokativ gewählt, aber
ich denke dass ich damit oft Recht habe.
Das stärkt mich mal wieder in meiner Einstellung dass leider die
Mehrheit der Politiker bestechlich sind, und auch bestochen werden,
sonst kann man sich die aktuelle Gesetzgebung echt nicht mehr
erklären.

Hoffentlich wachen bald mal die richtigen Leute auf und diese
überhebliche Musik und Medienindustrie geht elend den Bach runter!!

Irgendwann ist doch wirklich mal gut! Was soll das? Ich soll immer
mehr bezahlen und dafür dafür immer weniger? Wo bleibt da das
Gleichgewicht?

Es ist schon eine Frechheit dass ich auf jeden Rohling (egal ob ich
meine Daten drauf brenne oder sonst was) einfach pauschal
Urheberabgaben zahlen muss!

Peter

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22. Juni 2007 8:57

Das einzige Mittel, was die Lobbyarbeit der Industrie ausstechen kann:

dynamis (mehr als 1000 Beiträge seit 05.05.03)

Der Käuferwille.

EMI hat das als erstes Unternehmen der Musikindustrie erkannt, und
der Vertrieb der DRM-freien MP3-Dateien macht gute Fortschritte.

Zeigen wir, daß die ganze Lobbymaschinerie, die offenbar wie
geschmiert läuft, die Unternehmensergebnisse der DRM-Betonköpfe auch
nicht schönen kann.

dynamis

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