P2P News
Zum Ende der Woche machen sowohl die berüchtigste, als auch die beliebteste P2P-Plattform Nachrichten: Die eine darf auf richterlichen Beschluss noch ein wenig länger röcheln. Die andere entwickelt sich weiter.
Keine Frage, die Uhr tickt für KaZaA, einst meistgenutzte P2P-Börse im Internet. Sie tickt nur noch ein wenig länger, als bisher gedacht: Sharman Networks, den Betreibern von KaZaA, gelang es vor dem Gericht in Sydney, eine Fristverlängerung für die Börse zu erwirken.
Eigentlich sollte KaZaA bis zum 5. Dezember eine technische Lösung vorlegen,
die verlässlich alle urherberrechtlich geschützten Inhalte aus dem Bestand des
P2P-Netzwerkes ausfiltern sollte. Jetzt hat Sharman bis Ende Februar Zeit,
diesen phänomenalen Trick hin zu bekommen.
Derweil werde sich das Gericht die Gesellschafterstruktur von KaZaA und Sharman
genau besehen, hat von KaZaA-Chefin Nikki Hemming Einsicht in deren persönliche
Vermögensverhältnisse verlangt. Dem Gericht geht es längst nicht mehr nur darum,
mit KaZaA einen der einst emsigsten Copyright-Verletzer aus dem Verkehr zu
ziehen: Es will klären, wer überhaupt genau hinter dieser seltsamen Unternehmung
steckt, wer Geld damit verdienen wollte oder will - und auf was für eine Art und
Weise.
Die P2P-Gemeinde interessiert all das höchstens noch aus nostalgischen Gründen.
Für sie ist KaZaA längst ein Zombie, ein Untoter kurz vor Sonnenaufgang: Mit dem
ersten Lichtstrahl werden die Überreste der P2P-Börse wohl zu Staub zerfallen.
BitTorrent: Gefürchtet, aber auch begehrt
Das Erbe von KaZaA und dem FastTrack-Netzwerk haben längst andere Börsen
angetreten - durch und durch andere. BitTorrent und eDonkey unterscheiden sich
ja nicht nur technisch von Unternehmungen wie KaZaA, sondern auch durch ihre
ganze Wesensart: Hinter ihnen steht kein einzelnes Unternehmen, dass mit Hilfe
Urheberrechte verletztender P2P-Nutzer versucht, Geld zu verdienen. Die "Esel-"
und Torrent-Szene wird von Machern und Nutzern bestimmt, die nichts anderes
wollen als digitale Waren kostenlos und möglichst schnell zu verteilen.
Auch hier werden fraglos Copyrights gebrochen, doch es entstehen auch technische
Plattformen, an denen selbst die Besitzer der gebrochenen Rechte Interesse
haben.
So wird die Nachricht, dass mit BitTorrent 4.2.0 eine neue Version der fast
Tracker-freien Software erschienen ist, nicht nur in der "Gemeinde" für
Aufmerksamkeit sorgen, sondern auch bei vielen Unternehmen.
Bisher war man im Torrent-Netz auf sogenannte "Tracker" angewiesen, die mit
ihren Informationen die Nutzer miteinander und mit der herunter zu ladenen Datei
verbanden. Die neue Programmversion ermöglicht die Veröffentlichung von Torrents
durch bloße Hinterlegung auf einer Webseite - der "Tracker" steckt nun in
abgespeckter Form im Programm selbst.
Das ist nicht zuletzt für Publisher interessant: Sie können Dateien zusammen mit
den notwendigen Torrent-Dateien, über die der Download eingeleitet wird, einfach
auf ihren Webseiten hinterlegen, ohne extra einen Tracker implementieren zu
müssen - oder ihre legalen Inhalte in den Kontext von Raubkopien zu stellen.
BitTorrent 4.2.0 ist über
die Webseite des BitTorrent-Erfinders Bram Cohen zu erhalten. Der hatte es
diese Woche schon einmal durch einen symbolischen Schulterschluss mit der
Entertainment-Industrie in die Nachrichten geschafft: Während die Industrie
KaZaA mit Stumpf und Stil ausrotten will, ist es offensichtlich, dass BitTorrent
uns Netz-Nutzern immer öfter auch als kraftvolles legales Werkzeug für den
Download multimedialer Inhalte begegnen wird.
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