Wie selbst die Mini-Jobber unter den Spammern sich eine goldene
Nase verdienen.
Spam und Malware, die Seuchen des digitalen Zeitalters, kosten
Anwender viel Zeit, Geld und Nerven. Für die Betreiber von Botnetzen ist das
Geschäft mit dem Werbemüll hingegen äußerst lukrativ. Die Experten der G DATA
Security Labs recherchierten weltweit und decken auf, wie viel Geld
Cyber-Kriminelle für Ihre „Dienstleistung“ in Rechnung stellen. Überraschendes
Ergebnis: Discount-Preise für Spam und Lockangebote bei DDoS-Attacken.
G DATA Security Labs recherchierte die Preisstruktur der Cybercrime-Industrie.
Gezielte Angriffe auf Webangebote, sog. DDoS-Attacken, oder der Versand von
Millionen Spam sind bereits für wenige hundert Euro als Auftragsarbeit möglich.
Die Cyber-Kriminellen operieren hierbei in Netzwerken, um möglichst viele
Facetten der kriminellen Dienstleistungen aus einer Hand anbieten zu können.
So fanden die Experten der G DATA Security Labs heraus, dass
Kombinationsangebote auf dem Schwarzmarkt keine Seltenheit sind.
++ Spam zum Discount-Preis
Der Gemischtwarenhandel der Bot-Master umfasst ein breit
angelegtes Spektrum von Dienstleistungs-Schnäppchen bis zur
maßgeschneiderten Auftragsarbeit. Der Versand von 20 Millionen Spam ist
bereits ab 350,- Euro zu haben. Das Starter-Paket für Preis-bewusste gibt es
inklusive Do-It-Yourself-Tool für den Eigenversand und 5 Millionen
E-Mailadressen zum Schnäppchenpreis von sogar gerade mal 140,- Euro.
++ Ralf Benzmüller, Leiter G DATA Security Labs
„Die Professionalisierung der Online-Kriminellen ist nichts
Neues. Wir haben es bereits seit Jahren mit einer Industrie zu tun, die im
Internet kriminelle Dienstleistungen im großen Rahmen offerieren. Aber
getreu nach dem Motto „darf es auch etwas mehr sein“, bieten die
Cyber-Kriminellen ihre Dienstleistung inzwischen oft in Kombinationen an:
DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service), die die Server der
Mitbewerber lahmlegen und zeitgleicher Versand von Spam sind nicht
ungewöhnlich. Die ersten 10 Minuten einer DDoS-Attacke sind oftmals für den
Auftraggeber sogar kostenlos, so kann er sich von der Leistungsfähigkeit
seines Dienstleisters überzeugen. Abgerechnet wird nach Stunden- und
Tagessätzen. Nach unseren Erkenntnissen liegen diese aktuell bei ca. 20.- US
Dollar pro Stunde und 100,- US Dollar pro Tag.“
Selbst bei einer Arbeitszeit von lediglich 20 Stunden pro
Monat können „Mini-Job-Spammer“ mit gerade einmal 20 Aufträgen pro Monat 400
Millionen Spam-Mails versenden und problemlos Monats-Einkünfte von 7.000,-
Euro und mehr erzielen.
++ Handelsware E-Mailadresse und Accounts
Der Handel mit E-Mailadressen floriert und ist fast schon
Massenware im Produktportfolio der Malware-Industrie – 10 Millionen
E-Mailadressen sind bereits für 100.- Euro zu bekommen. Anders sieht es bei
Accounts für Online-Spiele, Kreditkarten-Informationen und Paypal Accounts
aus. Top-Seller unter den Online-Spielen ist nach Erkenntnissen der G DATA
Security Labs World of Warcraft (WoW) – aktueller Schwarzmarktpreise: 6 Euro
pro WoW-Account. Im Vergleich hierzu sind Kreditkar-teninformationen auf dem
Schwarzmarkt mit durchschnittlich drei Euro geradezu Schnäppchen im
Cybercrime-Supermarkt.
++ Die „Feinkost“: Sicherheitslücken und Auftrags-Trojaner
Höchstpreise erzielen die Cyberkriminellen mit dem Handel von
Sicherheitslücken (Exploits) und speziell angefertigten Schadprogrammen:
Preise von bis zu 35.000 Euro je Exploit und mehrere zehntausend Euro für
spezielle Trojaner sind keine Seltenheit. Preisfüchse können aber auch
gleich die Auktionsplattform von WabiSabiLabi (www.wslabi.com
) besuchen: Ähnlich wie bei Ebay, finden ambitionierte Kleinkriminelle
bereits ab 500.- Euro am laufen Band aktuelle Windows- und
Linux-Sicherheitslücken.
++ Vom Geldwäscher zum Millionär?
Zu den Verlierern im Cybercrime-Business zählen sicher die
abertausend Geldboten. Angelockt mit Hilfe von Spam-Mails - die
Traumeinkünfte von 5.000.- Euro im Monat und mehr bei minimaler Arbeitszeit
versprechen - wissen die meisten dieser Geldbo-ten nicht einmal, dass sie
Geldwäscher für das organisierte Verbrechen sind. Jedoch lassen die
Traumeinkünfte auf sich warten – im Gegensatz zur Kriminalpolizei.